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Die Wallburganlagen

 

Wallburgen gibt es hier bei uns im Calenberger Land haufen-weise. Gemeinhin werden sie als Fliehburgen bezeichnet. Allerdings liegen diese Fluchtburgen immer auf erhöhtem Gelände und kontrollieren wichtige alte Wasser- und Handelsstraßen. So überwacht zum Beispiel der Sachsenwall Teile des Leinetals oder die Bennigser Burg Teile der heutigen B217. Unsere Bundesstraßen entsprechen bekanntlich den alten Handelswegen. Das sind Indizien, die gegen eine Nutzung der Wallanlagen als Fliehburgen sprechen. Denn eine Fliehburg hat keinen Sinn, wenn ich mich dem Gegner quasi präsentiere.

 

Das muss aber nicht verwundern, denn die katholische Kirche hat ja so ziemlich alles, was mit der germanischen Lebensweise zusammenhing, ins Gegenteil verkehrt. Und was sie nicht ausrotten konnte, hat sie übernommen und in ihre Religion eingebaut. Ich möchte im Folgenden meine Theorie vorstellen, um was es sich bei den Wallburgen in Wirklichkeit gehandelt hat.

 

Die Wallburgen waren Orte feierlicher Zeremonien, insbeson-dere von Hochzeiten. Die Feier/Hochzeit wurde mit einer Fahrt zur Wallburg eingeleitet, der Wallfahrt. Die Wallfahrt hat die Kirche als Reise zu heiligen Orten in ihr Programm eingebaut. Die erste gemeinsame Nacht, die Hochzeitsnacht, war nach der Feier in der Wallburg. Es war die Wallburgnacht / Walpurgis-nacht.

 

Die noch nicht christianisierten Germanen gingen hinter diesen Wällen noch ihren heidnischen Traditionen nach. Deswegen stellte der Verliebte zu Walpurgis seiner Liebsten eine Fruchtbarkeit symbolisierende Birke vor das Haus. In manchen Gegenden Deutschlands macht er es noch heute so. Die Kirche verhunzte die Tradition der Wallburgnacht zur teuflischen Walpurgisnacht, in der die bösen Hexen und Zauberer ihr Unwesen trieben und unschuldige Menschen verführten. Noch heute feiern wir am 1. Mai diese Wallburgnacht. 

 

Walküren waren keine todkündenden Schlachtjungfern oder germanische Totendämone, sondern Glück bringende, die Wallburg ehrende Mädchen. Sie kürten die Wallburg. Vielleicht bestreuten sie sie vor der Vermählung mit Blumen, oder sie tanzten auf den Wällen. Der traditionelle Eröffnungstanz einer heutigen Hochzeit ist jedenfalls immer noch der Walzer. Der Begriff Walzer soll sich von der Tanzfigur „walzen“ ableiten. Für mich verkörpert das Wort Wallzier, also etwas was zur Verschönerung des Walles beiträgt, viel eher die Art dieses schönen Tanzes. Und wir tanzen in Deutschland in der Walpurgisnacht immer noch fröhlich in den Mai und man kann dabei ganz schön in Wallung kommen.

 

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Name der Waldenser. Sie waren im Mittelalter die am stärksten durch die Inquisition verfolgte Gruppe. Ihr Name geht offiziell auf ihren Gründer Valdes zurück. Waldenser könnte aber auch „Walltänzer“ bedeuten. Sie wären in diesem Fall Heiden gewesen, die noch die alten germanischen Wallbräuche praktizierten und somit Verfolgung, Mord und Totschlag erleiden mussten.

 

In der aus lichtdurchfluteten Bäumen gebildete Halle in der Wallburg (siehe germanische Baustile) hat ein Germane seine Liebste geheiratet und sein Lebensglück gefunden. Der schönste Ort, den er somit im Jenseits erreichen konnte, war Wallhalla, die Wallhalle.

 

 

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