ToGü-Verlag
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Licht ins Dunkel bringen!

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie oft man über Namen mit dem Wortteil „Oster“ stolpert? In Deutschland gibt es sie wirklich in unzähliger Weise, egal ob in Bergen, Dörfern, Städten oder Wäldern. Wir finden unter anderen Osterberg, Österberg, Osterwald, Osterholz, Osterwieck, Osterlinde, Osterrath, Osterburg, Osterby, Osterhofen, Osterhusen, Osterland, Osterrode, Osterstade und Ostermoor. Dazu gibt es z.B. in Norwegen das Osterdal, in Schweden den Fluss Osterdalälv, die Stadt Östersund und die Landschaft Östergötland oder in Österreich die Osterhorngruppe in den Alpen.

Jeder wird nun sagen, dass doch klar ist, woher diese Bezeichnungen kommen. Sie leiten sich von der Himmelsrichtung Ost ab. Der Osterwald im kleinen Deister wäre demnach z.B. der Wald im Osten. Das wird sicher oftmals richtig und zutreffend sein. Aber wenn dem so wäre, müsste man nicht in gleich großer Anzahl Namen mit den anderen Himmelsrichtungen antreffen, also unzählige Westerburgen, Süderlinden oder Norderberge? Dem ist aber nicht so. Außerdem habe ich festgestellt, dass einige Ost-Bezeichnungen gar nichts mit der Himmelsrichtung zu tun haben können.

Die Oster-Namen müssen also noch eine andere Bedeutung haben. Diese andere Bedeutung hängt mit dem germanischen Frühlingsfest zusammen. Ich versuche im Folgenden darzulegen, dass unser heutiges Osterfest nichts anderes als das germanische Frühlingsfest ist.

 

- Der Begriff Ostern leitet sich von dem altgermanischen Begriff Austro ab. Austro bedeutet Morgenröte. Im Althochdeutschen heißt er später Ostara. Jakob Grimm vermutet hinter dem Begriff Ostara eine germanische Frühlingsgöttin.

- Dass es bei den Germanen eine Feierlichkeit im Frühling gegeben haben muss, zeigt ein Briefwechsel des Missionars Bonifatius aus dem Jahr 751 mit dem Papst Zacharias. Bonifatius, der den Beinamen „Apostel der Deutschen“ hat, und der Papst beraten sich in den Briefen darüber, wie mit dem Brauch des Osterfeuers umgegangen werden soll.  Die katholische Kirche kannte somit zu diesem Zeitpunkt keine Osterfeuer. Das Osterfeuer ist heidnisch-germanisch.

- Bonifatius benutzte in seinen Dokumenten auch den Begriff osterrun. Die zweite Silbe run wird sich auf die germanischen Schriftzeichen, die Runen, beziehen. Die große Bedeutung der Runen für die germanischen Völker ist bekannt. Ihre Funktion beschränkte sich nicht auf ihre Nutzung als Buchstaben. Sie bezeichneten auch Begriffe und wurden als Magiezeichen verwendet. Der Begriff osterrun ist ein weiteres Indiz für den germanischen Ursprung des Osterfestes.

Ein Licht in der Dunkelheit.

 

- Astronomische Kenntnisse über den Jahreskreislauf sind für bäuerliche Gemeinwesen von grundlegender Bedeutung. Die Germanen kannten nicht nur das Sonnenjahr, sondern auch das Mondjahr, was durch die zwölf Raunächte, den zeitlichen Unterschied zwischen Sonnen- und Mondjahr, belegt ist. Noch heute wird der Termin des Osterfestes nach dem Mondkalender berechnet.

-Die wichtigsten Ostertraditionen sind durchweg naturverbunden. Wasser, was in der Osternacht aus einer Quelle geschöpft wurde, soll besondere Wirkungen haben. Überhaupt scheint die Nacht bei den germanischen Festen eine große Rolle gespielt zu haben. Neben der Osternacht haben sich bis heute die Walpurgisnacht, die Fastnacht und die bereits erwähnten zwölf heiligen Raunächte halten können. Wasser gilt als das Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit.

-Ein weiteres Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit ist das Ei. Das Ei versteckt ein neues Leben, was voller Vorfreude erwartet wird. Dieses neue Leben befreit sich mit dem Durchbruch durch die Schale vom Zwang. Darum werden zu Ostern die Eier gesucht, sie bunt bemalt an Zweigen in der Wohnung aufgehängt oder Bäume und Sträucher im Garten damit geschmückt. Es ist ein Ausdruck der Freude über das Wiedererwachen der Natur und wir wünschen ihr, verbunden mit der Hoffnung auf eine gute Ernte, ein fruchtbares Jahr. Weitere ähnliche Osterbräuche sind das Ostereiertitschen, Ostereierschieben, Ostereierwerfen oder Eierschnibbeln.

Frühlingserwachen in unserem Garten. Lebensfreude pur.

 

-Neben dem Osterfeuer gibt es weitere Brenntraditionen wie das Herabrollen brennender Räder von einem Hügel oder Berg aus. Diese germanische Tradition der Feuerräder findet man je nach Region noch zu Weihnachten, Neujahr, Fastnacht, Pfingsten oder zur Sommersonnenwende. Auch unbekanntere Bräuche (Schmackostern, Ostergras sähen, Osterreiten) haben den gleichen Hintergrund. Man symbolisiert damit das Wiedererwachen der Natur und hofft auf ein fruchtbares Jahr.

 

Somit bleibt eigentlich nur noch eine Frage zu klären. Warum bringt der Osterhase die Eier? Das ist doch völlig widernatürlich, denn ein Hase kann keine Eier legen. Ich vermute, dass es sich bei dem Osterhasen um eine Verhunzung der Kirche im Rahmen der Christianisierung handelt. Die Germanen hatten ja ihre personifizierten Götter, die Asen. Die Asen werden bei dem Osterfest ebenfalls verehrt worden sein. Um diesen Ketzerglauben auszurotten, machte man aus den Asen einen Hasen. Und nun bringt heute widersinniger Weise ein Hase die Eier. In diese Reihe gehört wohl auch das Märchen vom Aschenputtel. Mit Hilfe dreier Haselnüsse (Asennüsse?) entwickelt sich das unscheinbare, im Schmutz schuftende, traurige Aschenputtel zu einer wunderschönen, lebensfrohen Prinzessin. Auffällig ist auch hier wieder die Namensähnlichkeit zwischen Asen und Aschenputtel (Asenputtel). Und aus einem Haselbaum schneiden sich noch heute Menschen Wünschelruten heraus, um damit das Fruchtbarkeit symbolisierende Wasser zu finden, womit wir wieder beim Brauch des Osterwassers angekommen wären.

Was steht zum Thema Osterwasser, Osterfeuer, Feuerräder, Osterreiten, Ostergebäcke, Mond, Osterhasen, Ostereier, usw. in der Bibel? Nichts! Das Osterfest ist das alte germanische Frühlingsfest, mit dem unsere Vorfahren ihre Verehrung von Mutter Natur und ihren ewigen Gesetzen zum Ausdruck gebracht haben. Die eingangs erwähnten Oster-Namen werden die Orte solcher Feierlichkeiten gewesen sein (siehe z.B. Ach!-Der Osterwald!).

Jesus ist nie über einen zugefrorenen See geschlittert, hat sich nie nach einem Spaziergang im Schatten einer alten Eiche erholt oder gar nach dem Mond gegärtnert. Wie soll dieser Glaube an übers Wasser gehen oder an eine Jungfrauengeburt mit unserem naturverbundenen Erbe zusammengehen? Das Christentum ist unnatürlich und trennt den Menschen von seinem Innersten, von Gott.

Ich wünsche Ihnen Frohe Ostern. Wenn Sie bei einem Bierchen und einer Bratwurst am Osterfeuer stehen, vergessen Sie nicht auch einmal ringsherum zu schauen. Ist es nicht ein schöner Anblick die fernen und nahen Feuer der Nachbardörfer zu beobachten? Freuen Sie sich darüber, dass die Flammen Licht ins Dunkel bringen. Tragen Sie es weiter und es wird einmal im alten Glanz neu erstrahlen.

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